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Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Landes ändern wollte, das sich noch Millionen Landsleute leistete, die um ihr tägliches Brot kämpfen mussten. Mit vereinten Kräften haben einflussreiche konservativ-reaktionäre Kreise es geschafft, die damals regierende Arbeiterpartei PT durch das Impeachment-Verfahren gegen die Präsidentin Dilma Roussef völlig von der Macht zu verdrängen und seither wird das Rad kräftige zurückgedreht.

 Der Soziologe Laymert Garcia dos Santos findet die Situation in Brasilien immer unerträglicher. Er schreibt dazu:


Was lehrt uns dieses Ereignis? Dass die Politik der Ausrottung der Armen sich in Brasilien intensiviert hat und dass ab jetzt die ethnische und soziale "Säuberung" offen betrieben wird bei vollen Tageslicht und mit auserlesenem Sadismus. "Schöne Stadt", das bedeutet speziell folgendes: Vernichtung der Armen, von allen, die die Schönheit der Hauptstadt "beschmutzen". "Schöne Stadt" bedeutet die Eliminierung von allem, was sich nicht mit den luxuriösen Stadtvierteln, den mafiösen Privatisierungsprojekten und dem Verkauf der "Kronjuwelen" der Metropole identifiziert.

In dieser Strategie treffen sich die Interessen der Regierung Dória (Oberbürgermeister von Sao Paulo) und Alckmin (Gouverneur Bundesstaat Sao Paulo) ideal: Sie haben eine intensive Zusammenarbeit beschlossen. Militär- und Stadpolizei sind die bewaffneten Arme für die Ausführung der "Säuberung" und sie können selbstverständlich auf die Unterstützung durch die Gerichte und Staatsanwaltschaft zählen.

Aber sie sind nicht die Ausführenden: Seit Doria das Oberbürgermeisteramt übernahm, häuften sich die sadistischen Aktionen gegen die Armen - von der ausgesprochenen Gewalt in Cracolândia bis zu den Wasserwerfern gegen Obdachlose in den eiskalten Nächten von São Paulo, von der Verkündung des "Gesetzes" mit dem Verbot der Verteilung von Suppen bis zu den ständigen Interventionen, bei denen den Armseligen die wenigen Habseligkeiten genommen werden, um sie für die Straße unsichtbar zu machen, indem man die Plätze, die von den Drogenabhängigen genutzt werden, verdreckt.

Der Hinrichtung von Ricardo Nascimento, wie immer unbestraft und gedeckt durch die Behörden, folgte der Tod des Hauptzeugen der Tat, ein Straßenkamerad des Müllsammlers. Am darauf folgenden Tag der Tod von 3 Obdachlosen, die ironischerweise gegenüber der Fakultät für öffentliche Gesundheit auf Grund der herrschenden Kälte erfroren sind.

Sie haben recht, die Kämpfer der Bewegung, die gegen das Genozid der jungen Schwarzen protestieren - es ist auch hier eine Politik des Ausmerzens! Ebenso im ländlichen Brasilien, die Morde an den Führern der Landarbeiterbewegung, den Nachkommen der Sklaven und den Indigenen (in dieser Woche überbrachte der "Präsident" Temer den Großgrundbesitzern auf dem Tablett das Gesetz über die Nichtdurchführbarkeit neuer Zuteilungen indigener Territorien, abgesehen davon, dass dies eine Verletzung der Verfassung von 1988 ist, ist es ein humanitäres und Umweltverbrechen, auf das man auch schon im Ausland aufmerksam geworden ist).

Es gibt nichts mehr worauf man warten könnte. Man muss jetzt reagieren vom derzeitigen Stand aus, mit den Waffen, die uns zu Verfügung stehen. Wir müssen die Initiativen unterstützen, selbst wenn sie noch so klein sind, um zu bestätigen, dass wir den kriminellen Angriff gegen das brasilianische Volk und das Land selbst nicht akzeptieren. Wir müssen solche Initiativen bekannt machen, bis sie sich in einen Tsunami verwandeln, der die Mauer der Straflosigkeit für ungesetzliche Regierungen und Richter als Produzenten der Ungerechtigkeit zu Fall bringt.

Ricardo Nascimento wurde exekutiert, weil sein über-ausgebeutetes Leben als Brasilianer nichts wert war.


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Basta!

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