Donnerstag, 18. August 2016

Was der Brexit mit der Olympiade in Rio zu tun hat

Der Streit, ob der Brexit nun gut oder schlecht für Großbritannien ist oder sein wird, beschäftigt die britische Öffentlichkeit auch anlässlich der Olympiade. Das bisher gute Abschneiden des britischen Teams führt viele Brexit-Anhänger zu neuen patriotischen Höhepunkten. Hier ein paar Twitter-Äußerungen:

Glückwünsche an den Olympischen Helden und Goldmedaillengewinner Callum Skinner, der sich als Anhänger der Brexit-Brigade gezeigt hat, indem er das V-Zeichen für die Kampagne zu Großbritanniens Austritt aus der EU gezeigt hat.
Der Erfolg des Team GB bei der Olympiade zeigt, dass das Vereinigte Königreich (UK) nach Ansicht der Brexit-Anhänger auch außerhalb der EU bestehen kann (Bericht des Guardian). Die Gruppe “Leave.EU” zeigt Videos der Medaillengewinner mit Slogans “wir könnten zwar klein sein, aber wir sind echte Briten”.
Schaut mal was das UK bei der Olympiade geschafft hat, sie glauben an unser Land und nun ist es an uns daran zu glauben.
Ich meine, dass der Brexit das Team GB inspiriert hat. Sie zeigen uns allen, dass Britannien großartig sein kann.
Erstaunliche Resultate für das Team GB in Rio zeigen, warum wir keine EU-Mitgliedschaft brauchen um zu prosperieren.
Am 14. August 2016 war Britannien 2. im Medaillenspiegel. Das zeigt, dass wir uns selbst regieren können.
Die Anglosphere (damit sind USA und GB gemeint) ist der Topgewinner beim olympischen Medaillenspiegel. Yaaay! Und das alles wegen dem Brexit.

In dem Stil geht es weiter. Befürworter des Verbleibs in der EU kontern mit einem Medaillenspiegel, bei dem die Mannschaften der EU zusammengefasst werden, die dann die Tabelle anführen.
Simon Jenkins gehen in einem Kommentar für den Guardian unter dem Titel “Die olympische Hysterie zeigt, dass Britannien sowjetisch geworden ist” auf die patriotischen Aufwallungen seiner Landsleute ein. “Wir haben über die Kommunisten gelästert, weil sie den Sport als Zeichen für wirtschaftlichen Erfolg genutzt haben. Jetzt mit den großen Summen, die für das Team GB und die Athleten rausgeschmissen und diese zu Helden erklärt werden, kopieren wir sie”, schreibt Jenkins. Besonders kritisiert er die Olympia-Berichterstattung der BBC, die sich weitgehend darin erschöpfe, die Zeit dadurch tot zu schlagen, dass man sich gegenseitig interviewt unterbrochen von einigen Sekunden einer erstaunlichen Hysterie. Manchmal würden sich die BBC Berichterstatter benehmen wie staatliche “Cheerleaders” und nicht wie Journalisten.

Jenkins beschreibt wie nach dem schlechten Abschneiden der Briten bei der Olympiade in Atlanta 1996 der britische Staat die Spitzensportler – nach sowjetrussischem Vorbild -  mit immer höheren Geldsummen gefördert hat. Er schreibt: “Eine UK-Sport-Grafik zeigt genau diese Verbindung zwischen den Zuschüssen der Regierung (getarnt als Lotterie-Geld) und den olympischen Medaillen. 2012 stieg dieser Betrag auf 264 Millionen Pfund mit dem Resultat von 65 Medaillen. Für Rio wurden 350 Millionen Pfund für die Olympiade und die Paralympics ausgegeben mit dem Ziel, dass Britannien “das erste Gastland wird, dass den Medaillensegen von London 2012 noch übertrifft”.

Jenkins wendet sich dann gegen die Nationalisierung des Sports: “Seit Hitler damit bei der Olympiade von 1936 damit angefangen hat, hat dieser Chauvinismus sowohl bei demokratischen als auch autoritären Regimen Einzug gehalten. Die olympischen Spiele sind wie Kriege, fremde Abenteuer, mit denen die Regierungen die Probleme zu Hause übertünchen können. Athleten werden zu den Fahnen gerufen wie Soldaten. Sie werden zu “Helden” erklärt und mit Ehren über überhäuft.”

Informationsquelle
This Olympics hysteria shows that Britain has turned Soviet