Offizielle Faschistenverehrung in Spanien bleibt eine regierungsamtliche Selbstverständlichkeit

Aus Wikipedia (spanisch) ist zu erfahren:
Das Herzogtum von Franco (Ducado de Franco) ist ein spanischer Adelstitel für höchste Repräsentanten des spanischen Adels, der am 26. November 1975 durch König Juan Carlos I eingerichtet und an Maria del Carmen Franco Polo verliehen wurde, die damals noch den Titel "angeheiratete Marquise von Villaverde" als Aufmerksamkeit für die besonderen Umstände und Verdienste, die damit verbunden sind" trug.

Seit dem 29. Dezember 2017 ist nach dem Tod der Titelträgerin dieser Titel vakant.

Die Titelträgerin, Maria del Carmen Franco Polo, war die Tochter des 1975 verstorbenen Diktators Francisco Franco. Nach ihrem Tod Tod gibt es nun in Spanien eine Diskussion, ob der Titel weiter vererbt werden kann. Die Enkelin des Diktators, Carmen Martínez Bordiú, hat einen solchen Antrag gestellt. In der Diskussion geht es nicht nur um die formale Möglichkeit, den Titel weiter tragen zu dürfen, sondern auch darum wie Spanien mit dem faschistischen Erbe des Diktators umgeht. Nach dem Ende der Diktatur haben sich die damaligen Repräsentanten des Regimes viele Privilegien gesichert, nicht zuletzt, indem die Monarchie vom Diktator ohne Beteiligung des Volkes wieder eingeführt wurde und der König im Rahmen seiner Ausbildung auf die Interessenwahrnehmung der Repräsentanten der Diktatur getrimmt wurde.

In Spanien verlangt man nun, dass dieser Titel aufgehoben und nicht verliehen wird. Die Entscheidung liegt bei König Felipe VI. Die Regierung wurde über das Parlament aufgefordert, sich für eine Aufhebung des Titels stark zu machen.

Die Webseite Eldiario.es berichtet dazu:
Die Regierung hat keine Absicht den Titel "Ducado de Franco" aufzuheben, ein Adelstitel, der dem Diktator Tribut zollt und den, nach dem Tod seiner Tochter, die Enkelin Carmen Martinez Bordiú übernehmen will. Der Justizminister, Rafael Catalá, hat die Aufrechterhaltung des Herzogtums (ducado) damit begründet, dass die Regierung damit nur dem Gesetz nachkommt und er erinnerte daran, dass dieser Titel "keinerlei Privilegien" erzeuge, sondern, dass es sich um einen Titel handle, der nur ehrenhalber verliehen wurde. "Es scheint angemessen, dass die Regierung sich an die Gesetze hält und alle Vorschriften, die in einem Rechtsstaat gelten, einhält. Solange die Gesetze zu den Adelstiteln ncht geändert werden, werden diese eingehalten und wir starten auch keinerlei Initiative, diese zu ändern", erklärte der Herr Minister.


Die Antwort des Justizminister erfolgte auf einen Antrag der Senatorin Fuensanta Lima auf Annullierung des Titels. Sie begründete ihren Antrag damit, dass es empörend sei, dass dieser Titel weiterhin bestehe, in einem Land, das seit 40 Jahren eine Demokratie sei und dass die hohen Adelstitel nicht mehr den Vorstellungen des 21. Jahrhunderts entsprächen. Sie betonte dabei, dass der Titel "im Namen eines Diktators verliehen wurde, der systematisch die Menschenrechte missachtet hatte und es sich damit um eine Anerkennung handle, die gegen das geschichtliche Gedenken gerichtet sei". Sie fragte dabei, ob man in andern Ländern Titel zu Ehren von Diktatoren wie Pinochet oder Hitler verleihe. "Diese Titel zu annullieren ist notwendig für die demokratische Hygiene und um damit jene zu würdigen, die ermordet wurden oder an denen Vergeltung verübt wurde und für ihre Familien, die immer noch ihre Leichen suchen. Es ist eine Frage der Würde für diejenigen, die so viel gelitten hatten", erläuterte sie ihren Antrag.


Juan Chinarro Ortega, Divisionsgeneral der Marineinfanterie, ist Präsident der Francisco-Franco-Stiftung (Fundación Francisco Franco) und empört sich über das Ansinnen der Abschaffung dieses Titels. Er wettert gegen die sektiererische Linke, die damit gegen die geltenden Gesetze verstosse und die man strafrechtlich verfolgen solle. Einige Auszüge aus seiner Stellungnahme, aus der auch zu ersehen ist, auf wen die Faschisten die Hoffnung setzen, dass sich in Spanien nichts ändert an der Haltung zur Vergangenheit: Auf die Monarchie und ihre Seilschaften in Gesellschaft und Militär:

Lassen wir uns nicht täuschen: Sie lassen uns vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen. Das Schreiben, das die Vereinigte Linke (IU) an seine Majestät den König richtete, ist nur ein weiterer perfider Schritt gegen die Person des Generalissimus Franco und die Werte, die er repräsentierte: Die Einheit des Vaterlandes, unsere christlichen Wurzeln und Traditionen, die enorme soziale und wirtschaftliche Transformation, die Spanien in seiner 40-jährigen Herrschaft als Staatschef durchmachte. ....

(Die Linken wollen die Wiedereinführung der Republik) und ihnen steht dabei die Monarchie im Wege, die, was sie auch immer sagen, ihnen ein Dorn im Auge ist und die sie beseitigen wollen. Wer das nicht sehen will, ist blind und heute kann man in ihrer Strategie, Ihre Majestät, den König in die Nachfolgefrage für den Titel des "Ducado de Franco" hineinzuziehen, ihre diffamierende Absicht erkennen. 

Francisco Franco war immer ein loyaler und treuer Diener für die Monarchie. ... Die königliche Familie war immer auf der Seite des Generalissimus Franco. Der Generalissimus wollte immer, dass Spanien eine Monarchie sei und drückte er es auch in seinem Testament so aus: "Ich bitte euch vor König Juan Carlos hinzuknien mit derselben Hingabe und Loyalität, die ihr von mir erlebt habt".

Generalissimus Franco veränderte Spanien und holte das Land aus dem Elend und der Unwissenheit und entschied, dass Don Juan Carlos I König sei. Der Caudillo wusste, dass der König nie so regieren können werde wie er es tat und das ist etwas, das wir alle wisssen müssen, wenn wir die Personen beurteilen.


Der König Juan Carlos I selbst war sich dessen bestens bewusst und so drückte er sich aus als er sich auf den Generalissimus bezog: "Für mich ist er ein lebendes Beispiel, jemand der tagtäglich seine patriotische Aufgabe im Dienste Spaniens ausübte und dafür hat er meine große Zuneigung und Bewunderung" oder auch "General Franco ist eine entscheidende historische und politische Figur für Spanien. Er ist derjenige, der uns rettete und die Krise von 1936 löste. Danach seine Politik, uns aus dem 2. Weltkrieg herauszuhalten. Und deswegen hat er in den vergangenen Jahren die Basis für unsere Entwicklung von heute gesetzt".