Der Fluch des Kolonialismus holt Brexit-Britannien ein

Nach dem britischen Staatsangehörigkeitsgesetz (British Nationality Act 1981) gibt es im Vereinigten Königreich (UK) 3 verschiedene Arten von Staatsangehörigkeit. Alle zusammen werden als "Staatsangehörige des Vereinten Königreiches und der Kolonien bezeichnet und mit "CUKCs" abgekürzt.  

Richtige britische Staatsangehörige (British citizens) mit allen Rechten sind nur diejenigen, die im Vereinigten Königreich geboren wurden oder von einer Person abstammen, die im UK geboren wurden. 

CUKCs mit einer engen Verbindung zu einer der vom UK abhängigen Territorien wurden zu einem "Staatsangehörigen der britischen abhängigen Territorien" (British Dependent Territories citizens). Sie bekamen die Abkürzung "BDTCs". 

Alle andern CUKCs wurden wurden zu "Britischen Übersee-Staatsangehörigen" (British Overseas citizens) erklärt. Diese letzte Gruppe hat weder ein atuomatisches Recht sich im UK niederzulassen noch zu arbeiten. Also bestenfalls eine Staatsangehörigkeit fürs Schaufenster. 

An Aktualität hat das Thema gewonnen, weil es in Australien eine wohl längere Zeit in Vergessenheit geratene verfassungsrechtliche Bestimmung gibt, dass nur rein australische Staatsangehörige Mitglied des Parlaments werden dürfen. Mehrere Politiker sind inzwischen zurückgetreten, weil sie neben der australischen noch eine andere Staatsangehörigkeit besitzen. Gegen andere laufen noch entsprechende Forderungen unter anderem auch gegen den Senator Nick Xenophon.
Xenophons Vater kam 1951 nach Australien aus der damals britischen Kolonie Zypern. Xenophon war es überhaupt nicht klar, dass er damit eine Art britische Staatsangehörigkeit erworben hatte und damit in Australien Ärger bekommen könnte. Das britische Innenministerium bestätigte ihm auf Anfrage, dass er "British Overseas Citizen" sei. 

Somit macht eine völlig nutzlose Art der Staatsangehörigkeit ihm in seinem Heimatland Ärger. Man weiss nicht, welche Regelung bescheuerter ist, die der Australier oder die der Briten, die Menschen, die einmal in ihrem Herrschaftsgebiet wohnten, eine Staatsangehörigkeit zugedacht haben, aus der sie keinerlei Rechte ableiten können. Aber sehr wohl erhöht dies die Statistik des Umfangs der Untertanen ihrer Majestät, der Queen.

Xenophon würde gerne pfeifen auf diese Staatsangehörigkeit. Er weiss im Moment nur nicht wie er sie los wird. Auf jeden Fall muss der Oberste Australische Gerichtshof entscheiden, ob er deswegen auch seine politischen Ämter abgeben muss.

Die Brexit-Anhänger träumen davon, die EU-Mitgliedschaft gegen großzügige Freihandelsabkommen mit den ehemaligen Kolonien einzutauschen. Dabei geht es nur um den Vorteil des Mutterlandes, von dem die Brexiter träumen, dass die Ex-Kolonien es nicht merken. Es wird von einer Reaktivierung des Commonwealth in Form eines "Empire 2.0" phantasiert.

Der "Guardian" schrieb dazu: Als die Regierungsoffizielle die zukünftigen Handelsbeziehungen eines Nach-Brexit-Britanniens mit dem Commonwealth als "Empire 2.0" beschrieben, hatten afrikanische und indische Journalisten und Blogger eine Menge Spaß auf unsere Kosten, indem sie diese Idee lächerlich machten. Noch schlimmer, die Bezeichnung - die vielleicht ironisch gemeint war - tauchte auf, als der bekannte indische Historiker Shashi Tharoor sich im UK befand zur Vorstellung seines neuen Buches, in dem er die koloniale Ausbeutung Indiens durch Britannien einem vernichtenden Urteil unterzog. Scharfzüngig wie immer, erklärte Tharoor, dass kein Zweifel bestehe, dass die Idee eines "Empire 2.0" in Indien aufsteigen werde wie ein Ballon aus Blei.


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