Direkt zum Hauptbereich

Können wir uns das leisten: Den Sommer zum Winter und den Winter zum Sommer machen?

Ziemlich heiß dieser Sommer, auch in Deutschland. Gegen Hitze bringen Klimaanlagen Abkühlung, trotzdem hält man in Europa von einer Vollklimatisierung von Wohnungen nicht viel. Ganz anders in den USA, wo Klimaanlagen zur Grundausstattung von Wohn- und Büroräumen gehören. Der Journalist Rick Noack nimmt sich in “The Washington Post” unter dem Titel “Europa an Amerika: Eure Vorliebe für Klimatisierung ist dumm” des Themas an.

Er schreibt: “Das Wetter in Washington und in Berlin war vor kurzem ziemlich ähnlich. Es gibt aber einen bedeutsamen Unterschied zwischen den beiden Hauptstädten, nämlich: “Während viele Amerikaner vermutlich nie in Betracht ziehen würden in Gebäuden ohne Klimaanlagen zu arbeiten, denken viele Deutsche, dass ein Leben ohne Klimatisierung viel besser sei. Die Trennung gibt es nicht nur zwischen Berlin und Washington. Nein, viele Europäer, die oft die USA besuchen, beklagen sich über die “Eiseskälte” in den Bussen und Hotels. Amerikanische Touristen auf der anderen Seite des Atlantiks waren wiederum erstaunt über die Fähigkeit der Europäer mit der Hitze klar zu kommen, sowohl an ihren Arbeitsplätzen als auch in ihren Wohnungen.”

Bereits 1992 hat laut Noack der Universitätsprofessor Gwyn Prins von der Universität Cambridge die amerikanische Liebe zur Klimatisierung kritisiert und als die “am weitesten verbreitete und am wenigsten zur Kenntnis genommene” Epidemie bezeichnet. Nach Angaben der amerikanischen Umweltschutzagentur hat der amerikanischen Bedarf für Klimatisierung in den letzten Jahren nur zugenommen. Die USA verbrauchen nach Forschungsergebnissen des Wissenschaftlers Stan Cox inzwischen mehr Energie für den Betrieb von Klimaanlagen als jedes andere Land der Welt.

Zwar lebe ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung in warmen und feuchten Gebieten, aber das allein erkläre den Unterschied in der Haltung bezüglich der Klimaanlagen zwischen Europa und den USA nicht. Laut Michael Sivak von der Universität von Michigan bevorzugen die Amerikaner eine jährliche Durchschnittstemperatur von 21° C, für die Europäer sei das aber zu kalt. Europäer würden ihre Thermostate im Sommer höher stellen und im Winter niedriger. “Konsequenterweise würden die Europäer in den Wohnungen im Winter Pullover tragen, während die Amerikaner diese im Sommer anhaben”, erklärt Sivak.

Laut dem Bericht von Noack sind die Europäer in dieser Sache aber auch umweltbewusster. Eine Mehrheit will gegen die globale Klimaerwärmung etwas tun. Zwei Drittel der Europäer sind der Ansicht, dass die Wirtschaft in einer umweltfreundlichen Art organisiert werden soll. Notwendig sei ein anderes Denken. “Während die Europäer sich dafür entschieden haben, zu akzeptieren, dass es warme und kalte Tage gibt, wurden amerikanische Architekten gezwungen, Balkone und Verandas aus ihren Bauplänen zu tilgen und niedrige Decken in die Gebäude zu bauen, um soviel Kälte im Innern wie möglich zu halten”, schreibt Noack. Den Nachteil, dass nicht klimatisierte Räume die Arbeitsproduktivität beeinträchtige, würden dadurch aufgehoben, dass dafür bei der amerikanischen Bauweise mehr Stress an den Arbeitsplätzen erzeugt werde.

Die Folgen sind fatal: “Unter dem Strich ist Amerika ein großes, reiches, heißes Land. Aber wenn die Nationen mit der zweit-, viert- und fünftstärksten Bevölkerungszahl – Indien, Indonesien und Brasilien, alles Länder mit heißem und feuchtem Klima – genauso viel Energie per Kopf verbrauchen würden wie die USA, dann würde dafür 100% der in diesen Ländern erzeugten Energie plus die gesamte Energie, die von Mexiko, Großbritannien, Italien und dem gesamten afrikanischen Kontinent produziert wird, benötigt. Wenn jeder sich dem klimatisierten Lebensstil der USA anpassen würde, dann würde der Energiebedarf bis 2050 um das Zehnfache steigen”, beschreibt Stan Cox die Folgen dieses maßlosen Energieverbrauchs.

Informationsquelle
Europe to America: Your love of air-conditioning is stupid

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …