Direkt zum Hauptbereich

Wenn Menschen einfach totgeschlagen werden

Die UNO stellte vor ein paar Tagen einen Bericht über Mordraten weltweit vor. Lateinamerika hat sich wieder einmal als der gewalttätigste Kontinent herausgestellt und Brasilien gehört zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Gewalttaten. Unter den 30 Städten mit dem höchsten Anteil sind 11 brasilianische Städte. Dabei gehört Maceió im Nordosten Brasiliens mit dem 4. Platz gemessen an den Gewalttaten pro 100.000 Einwohner zu den gewalttätigsten Städten Brasiliens.

Im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo spielte sich gerade wieder eine erschreckende Gewalttat ab. Ein 17-jähriger Schwarzer wurde von einer Gruppe Menschen, die mit Steinen, Eisenstangen und Holzlatten bewaffnet waren, am Rande der Bundesstraße BR 101 totgeschlagen. Die Hetzer in der Gruppe schrien “schlagt ihn tot” und die Meute folgte seiner Aufforderung. Die Polizei erschien 2 Stunden nach dem Vorfall und nahm den Jugendlichen in das Unfallkrankenhaus mit, wo er verstarb. Über die Gründe für die Lynchjustiz herrschte Uneinigkeit. Einige behaupteten, dass er versucht habe eine Frau zu vergewaltigen, andere behaupteten, dass er in Moped stehlen wollte und wieder andere, dass er versucht habe ein Mädchen von 10 Jahren zu missbrauchen. Die Tat geschah vor einer Woche, aber bis heute hat niemand eine Anzeige gegen den Jugendlichen erhoben, noch haben sich Zeugen gemeldet. Sein Bruder erklärte, dass sein Bruder geistig verwirrt war und hinter einem Mädchen hergerufen hätte, das sich erschreckt habe und zu ihrer Familie gelaufen sei, die anschließend den Jugendlichen gejagt habe. “Deswegen sprachen die Leute davon, dass er ein Vergewaltiger sei”, erklärte der Bruder und bezüglich des Moped-Diebstahls: “Wenn er ein Moped hätte stehlen wollen, hätte er das in seinem Viertel getan, denn er konnte nicht einmal ein Moped fahren”. Selbstgefällige Selbstjustiz und es war ja nur ein schwarzer Jugendlicher, so funktioniert in vielen Bereich die brasilianische Gesellschaft.

In Argentinien stehen die Zeichen auch auf Sturm. Die Gewalt hat erheblich zugenommen und es gibt immer mehr Fälle von Lynchjustiz. Die spanische Zeitung “El Pais” schreibt dazu: “Etwas läuft schief in einer Gesellschaft, wenn der solidarische und altruistische Nachbar, der versucht dem Opfer eines Überfalls auf der Straße zu helfen sich plötzlich in einen Mörder verwandelt, der eine Person zu Tode prügelt und ihn bewusstlos liegen lässt.” Die Zeitung bezieht sich auf einen Vorfall Ende März in der argentinischen Stadt Rosario, wo 2 Jugendliche versuchten vom Motorrad aus einer Frau die Handtasche wegzureißen. Passanten erwischten einen der Jugendlichen, einen 18-Jährigen, und schlugen ihm den Schädel ein, so dass er 3 Tage später den Verletzungen erlag. Seine Mutter fragte danach “wenn sie glaubten, dass er einen Raub begangen hat, warum brachten sie ihn dann nicht zur Polizeistation?”. In Argentinien sind in den letzten 3 Wochen mehr wie ein Dutzend Fälle von Lynchjustiz bekannt geworden. Im Falle des getöteten 18-jährigen hat sich sogar Papst Franziskus mit den Worten gemeldet: “Mich hat die Tat geschmerzt. Ich habe die Schläge in meiner Seele gespürt. Das war kein Söldner, das war ein Junge aus unserem Volk; ja er war ein Delinquent, aber der Vorfall erinnerte mich an Jesus, der sagte: Wer bin ich, dass ich ihn richten kann? Und wer selbst ohne Fehl und Tadel, der werfe den ersten Stein.”

Argentinien gehört nicht zu den gewalttätigsten Ländern Südamerikas. Aber im Gefühl der Argentinier ist es das Land mit den meisten Raubüberfällen. Nach Umfragen ist die Unsicherheit für die Mehrheit der Argentinier das drückendste Problem, noch vor der Inflation. Die Präsidentin des Landes, Cristina Fernández macht die Justiz dafür verantwortlich: “Es gibt Richter, die lassen Täter, die wiederholt straffällig geworden sind, in Freiheit und die fangen von neuem an straffällig zu werden, zu töten, zu vergewaltigen”.

Das Hauptübel Lateinamerikas ist der Drogenhandel, der Staaten und Gesellschaften fest im Griff hat. Eine Eskalation der Gewalt führt nur noch zu mehr Gewalt. Hier einen Weg herauszufinden ist eine Jahrhundertaufgabe.

Informationsquelle
Jovem negro é espancado e morto por populares no Espírito Santo
Argentina se enfrenta a la barbarie – El Pais

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…