Freitag, 11. April 2014

Der Bürgermeister von Konstanza und der Berlusconi-Effekt

Radu Mazăre ist Bürgermeister der rumänischen Hafenstadt Konstanza am Schwarzen Meer. Geboren 1968 in Bukarest gehört er zu jüngeren Generation rumänischer Politiker. Er begann seine Laufbahn als Journalist, gründete Zeitungen, beteiligte sich an Radio- und Fernsehstationen. Im Jahr 2000 wurde er zum Bürgermeister der Stadt gewählt und danach in Folge bis heute in diesem Amt bestätigt.

Mazăre ist durch Skandale aller Art aufgefallen, aber auch dadurch, dass er sich geschickt inszenieren kann. Die Antikorruptionsbehörde ist schon längere Zeit hinter ihm her, er wird verdächtigt Verbindungen zur Unterwelt von Konstanza zu haben. Vorgeworfen werden ihm illegale Grundstücksgeschäfte und Bestechung. Ein Fußballspieler der Mannschaft Petrolul Ploiesti hat ihn vor kurzem verklagt, weil er von den Sicherheitsleuten von Mazare verprügelt worden war. Ansonsten fällt er durch sein extravagantes Benehmen auf, er ist auf einem Fest in Nazi-Uniform aufgetreten und erscheint zu Wahlen in Che-Guevara-Aufmachung in Begleitung von nur mit Bikini angezogenen jungen Frauen. Vor der Wahlurne soll er eine solche dürftig Bekleidete angewiesen haben, für ihn zu wählen. Dafür wurde ein Verfahren gegen ihn wegen Wahlbeeinflussung eröffnet.

Sein Auftreten hat also Charakterzüge eines Politikertyps wie man ihn von Italien’s Berlusconi her kennt: Jemand der sich geschickt inszenieren und mit den Medien umgehen kann. Damit gibt er dem Publikum den Unterhaltungswert, der die politische Vernunft in den Hintergrund treten lässt. Unter diesem Umständen verzeiht ihm das Volk gnädig Fehler, die andere Politiker schon längst ins Abseits geführt hätten. Was sind nun die besonderen “Verdienste”, die zu einer so langen Amtszeit des Radu Mazăre geführt haben: Cristian Teodorescu im Blog Voxpublica geht darauf ein:

“Diejenigen, die darauf hinweisen, dass er schließlich zum vierten Mal zum Bürgermeister gewählt wurde, erklären das damit, dass er ein System zur Hilfe für arme Menschen in Konstanza geschaffen habe. Nach deren Meinung gibt es genügend Menschen, denen der von ihm veranstaltete Zirkus gefällt und die in seinem schrillen Auftreten einen Beweis sehen, dass er sich an die Arbeit macht, um Touristen an die Küste zu holen. Es wählt ihn auch ein Teil der Jugend, weil sie sein nächtliches Auftauchen in den Diskotheken für cool hält. Ein lokaler Soziologe hat mir gesagt, dass eines der Geheimnisse des langen Lebens von Mazăre als Bürgermeister sei, dass er zu einer Art wandelnder Marke in der Stadt geworden sei. “Aber die Bewohner von Konstanza wissen, dass er in unsaubere Geschäfte verwickelt ist?” “Alle sind überzeugt, dass er stiehlt, aber für die Mehrheit der Bewohner hat Mazăre das Verdienst, dass er das auf die gekonnteste Art betreibt”.
Die Bewohner Konstanza’s aus der Mittelklasse, die Mazăre kennen, werden angesichts dieser Tatsache zynisch. Für sie lässt er die Stadt im Müll versinken, füllt sich die Taschen mit Geld aus skandalträchtigen Geschäften und macht auf Sonnenkönig. Was von der Altstadt Konstanza’s noch übrig geblieben ist, ruiniert er endgültig. Alles läuft auf den Bürgermeister Mazăre, einem intelligenten Typen, zu, weil er alle Populismus-Schalter entdeckt hat, die er dann im politischen Kampf verwendet. Er kopiert Guevara mit seiner Mütze während er zur gleichen Zeit tatsächlich ein Berlusconi ist.”

Jetzt haben die Handschellen geklickt. Die Antikorruptionsbehörde DNA hat Mazăre verhaften lassen und wie in Italien als man Berlusconi endlich mach strafrechtlich belangen konnte, heulen seine Anhänger auf. Sie sind sich nicht zu blöd vor der Stadtverwaltung zu stehen und mit dem Slogan “In schweren wie in leichten Zeiten, sind wir bei dir” zu protestieren. Mazăre ist inzwischen wieder - wegen Fluchtgefahr - unter Auflagen freigelassen worden. Aus seiner für Ostern geplanten Reise nach Madagaskar, wo er 2 Hektar Land besitzt und eine Touristenstation bauen will, wird nun nichts.

Informationsquelle
Acest Berlusconi de Constanța care-l copiază pe Guevara la bască – Blog Voxpublica