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Ein rumänisches Dorf: Verkehrsschilder statt Wasseranschluss

Patru Fraţi (auf deutsch: Vier Brüder), ein Dorf in der walachischen Ebene nordöstlich von Bukarest hat eine Hauptstraße, die 9 km lang ist. Rumänische Dörfer sind oft Straßendörfer, die Häuser stehen an der Hauptstraße dahinter ist nichts. Patru Fraţi hat weder fließendes Wasser noch Abwasserkanäle. Aber was man ihm nicht nehmen kann: Es verfügt entlang seiner Straße über 200 Verkehrszeichen. Die Straße ist wenig befahren, an den Straßenrändern vergnügt sich das Federvieh im Gras.

Autofahrer, die das Dorf queren, kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die Anhäufung der Verkehrsschilder verlangt höchste Aufmerksamkeit. Manchmal stehen drei bis vier, fünf direkt nebeneinander. Der 60-jährige Fahrer Victor berichtet: “In den dreißig Jahren seit ich Auto fahre, habe ich so etwas nicht gesehen: Das ist die größte Dummheit, die meine Augen je gesehen haben! Es ist fast unmöglich derart vieler Verkehrsschilder auf einem Quadratmeter unterzubringen. Man hat keine Zeit auf den Verkehr zu achten, wenn man sie respektieren will. Ich gebe zu, ich fahre durch ohne auf die Schilder zu achten. Ich kenne die Straße sehr gut, aber Ahnungslose wissen nicht wie ihnen geschieht.”

Ein großer Befürworter der extensiven Beschilderung ist der Bürgermeister. Eigenhändig fährt er durch das Dorf und vergewissert sich, dass alles in Ordnung ist. Mosernden Einwohnern erklärt er: “Gute Leute, weswegen glaubt ihr, dass die Schilder nutzlos sind? Die sind sehr gut aufgestellt. Oder seid ihr etwa Spezialisten für die Straßenverkehrsordnung?” Auch die Verkehrspolizei ist der Überzeugung, dass alles in Ordnung ist. “Die Verkehrszeichen sind in Ordnung. Es gibt keine Probleme damit”, erklärt der stellvertretende Kommissar.

Die Kreisstraße durch Patru Fraţi wurde vor kurzem saniert. Für die Sanierung waren 18 Millionen Lei (ca. 4 Millionen €) in den Kreishaushalt des Kreises Ialomiţa eingestellt. Für die Schilder hat sich das Dorf aus diesem Budget bedient und dafür 200.000 Lei (ca. 25.000 €) ausgegeben. Die Dorfbewohner finden das aber gar nicht lustig. In ihrer Mehrheit sind sie der Meinung, dass man mit diesem Geld dem Dorf eher einmal eine Versorgung mit fließendem Wasser und einer Abwasserkanalisation hätte versorgen können. Dorfbewohnerin Elena, 68 Jahre alt, bringt es auf den Punkt: “Das war nicht nötig: Verkehrsschilder, schließlich haben wir doch sonst alles! Wir holen das Wasser noch vom Brunnen wie es unsere Mutter uns gelehrt hat. Ich hätte gerne 2 Wasser Anschlüsse auf meinem Hof, aber wer kann mir das machen?”

Der Bürgermeister steht jetzt unter Druck. Schuld für ihn hat die Polizei, die ihn gezwungen habe all die Schilder aufzustellen. “Ich habe die Schilder aufgestellt, damit die Polizisten zufrieden sind”, verteidigt er sich. Es könnte aber auch noch etwas anderes dahinter stecken. Die mit der Sanierung der Straße beauftragte Firma ist in Korruptionsfälle verwickelt und gegen sie läuft ein Untersuchungsverfahren. Wer hat nun an den Schildern verdient?

Informationsquelle
Se întâmplă doar în Ialomiţa: 200 de indicatoare rutiere într-un sat. Primarul: „Le-am pus ca să se sature poliţiştii!“ – Adevarul

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