Sonntag, 14. Juli 2013

Wie Brasilien sein Gesundheitssystem kurieren will

Gegenstand der kürzlichen Volks-Proteste in Brasilien, die in dieser Heftigkeit überraschend kamen, war  auch das brasilianische Gesundheitssystem, deren öffentliche Version einen miserablen Ruf hat. Zwar gibt es auch Privatkliniken mit einem höheren Standard, aber welcher Brasilianer kann diese schon bezahlen.

Die brasilianische Regierung scheint nun die Lektion gelernt sie zu haben, zumindest greift sie das Thema auf und versucht es mit dem Beginn einer Reform. Die besteht darin, dass die Dauer des Studiums für Mediziner um 2 Jahre erhöht wird. Mit den 2 zusätzlichen Jahren sollen Mediziner verpflichtet werden, diese Zeit für Tätigkeit im Einheitlichen Gesundheitssystem (SUS) zu nutzen. Die Regierung von Dilma Rousseff erhofft sich damit, den Ärztemangel beheben zu können und dadurch eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung der hilfesuchenden Menschen zu erreichenden. Abgesehen von dieser Maßnahme soll zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen an den Krankenhäusern mehr investiert werden.

Für die Dauer ihrer 2-jährigen Tätigkeit im öffentlichen Gesundheitswesen sollen die angehenden Mediziner ein Stipendium erhalten. Bis 2021 soll es auf diese Weise 20.500 Ärzte mehr für die medizinische Grundversorgung geben. Ideengeber für das brasilianische Gesundheitswesen ist das englische Modell des National Health Service. Das bereits bestehende seit 2004 bestehende Programm "Mais médicos" (Mehr Ärzte) soll in Zusammenarbeit mit den Gemeinden ausgeweitet werden. Für die Verbesserung der örtlichen Krankenhäuser und Gesundheitsstationen sollen die Gemeinden mehr Geld bekommen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen.

Ein heikles Thema ist die Anstellung ausländischer Ärzte, die für eine kurzfristige Verstärkung möglich wäre und angesichts der Proteste der vergangenen Tage von der Staatspräsidentin Dilma Rousseff vorgeschlagen wurde. Scheinbar gibt es dagegen einige Widerstände, deshalb soll die Einstellung von Ausländern nur erfolgen, wenn keine brasilianischen Kandidaten vorhanden sind und die ausländischen Mediziner portugiesisch sprechen und verstehen können. Der Gouverneur des Bundesstaates Bahia, Jacques Wagner, hat die Staatspräsidentin gebeten, Pressionen gegen die Einstellung von Ausländern nicht nachzugeben. Nach seiner Meinung könne man jetzt nicht wieder das Rad zurückdrehen und "wenn die brasilianischen Ärzte nicht ausreichend die Orte abseits der großen Städte zu versorgen, dann müssen wir unterstützt von der Bundesregierung ausländisches Personal anwerben, damit die Bürgermeister die Gesundheitsversorgung in ihren Kommunen gewährleisten können".

Der Bundesrat für Medizin (CFM) hält gar nichts von der Maßnahme angehende Ärzte für den Dienst auf dem Land zu verpflichten. Seiner Ansicht nach handelt es sich bei der Entscheidung um eine Panikreaktion, die den  Forderungen der Demonstrierenden nicht dient. "Das Programm, das darauf abzielt, Ärzte von entsprechende Diplom einzusetzen ist gefährlich, da die Bevölkerung von Ärzten ohne ausreichende Fähigkeiten behandelt wird", erklärte der Vertreter des CFM. 



Informationsquelle:
Médico terá de trabalhar dois anos no SUS para se formar - BrasilAtual