Mittwoch, 31. Juli 2013

Fliegenpatschen-Demo der Taxifahrer am Flughafen Barcelona

Der Sommer ist heiß, besonders heiß in Spanien. Mit der Hitze vermehren sich ein paar Lebewesen, die uns schnell unangenehm werden. Eine dieser Plagegeister sind Fliegen, die einem den Eindruck mangelnder Hygiene vermitteln, wenn sie sich frech auf unsere Speisen setzen.

Am Flughafen von Barcelona haben die Taxifahrer ein eigenes Restaurant im Terminal 1. Manchmal stehen bis zu 800 Taxis 2 Stunden in Warteschlangen bis sie zu den Hauptausgängen zur Abholung der Kundschaft vorgelassen werden. Da ist ein Restaurant für Essen und Trinken notwendig. Das Flughafen-Taxifahrer-Restaurant scheint aber von der Flughafenverwaltung AENA als Eigentümer und dem Betreiber Eat&Out nicht gerade zur Zufriedenheit der Kundschaft betrieben zu werden.

Die Zeitung "El Periodico" aus Barcelona schreibt, dass es eine Leidenschaft der lokalen Taxifahrer sei, Versammlungen abzuhalten, aus denen sie in der Regel zerstritten wieder heraus kommen. Diesmal führte jedoch eine Versammlung zu einem einhelligen Beschluss und einem Aktionsplan: "Wir demonstrieren gegen unser Flughafenrestaurant". Ihre Forderung lautete: "Vernichtet die Fliegen!" Mit Fliegenpatschen und Masken bewaffnet simulierten die Taxifahrer im Restaurant einen Vernichtungsfeldzug gegen die brummenden Nervensägen. Taxifahrer berichteten, dass es, wo man hinguckt, Fliegen gibt, sie kommen sogar aus dem mit Schinken belegten Brötchen. "Entweder sie oder wir" schrien die mit den Patschen bewaffneten Taxifahrer. Die Aktion scheint Erfolg gehabt zu haben. Der Sprecher der Taxifahrervereinigung berichtet, dass bereits eine Abnahme der Fliegenpopulation im Restaurant beobachtet werden konnte. Die Restaurantbetreiber hatten auf Grund der Proteste dem Restaurant an der Tür einen Fliegenvorhang spendiert und die Klimaanlage kühlte nun plötzlich auch wieder, so dass es vielen Fliegen wohl zu kalt wurde.

Aber die Unzufriedenheit hat meistens nicht nur einen Grund. Die Taxifahrer sind auch sauer auf die hohen Preise im Restaurant. Das Menü kostet 9,80 Euro und seine Qualität wird als mangelhaft bezeichnet. Spanier sind ja ohne Menü's, das aus drei Gängen besteht, ganz unglücklich. Die berüchtigten "platos combinados", sprich "Einheitsteller", werden überwiegend nur Touristen serviert. Auf jeden Fall scheint es viele Taxifahrer zu geben, die ihr Essen von zu Hause mitbringen. Die Geschäftsführerin des Restaurants, Senyora Montse, zeigt sich genervt. Für sie sind die Taxifahrer Chaoten, die nicht wissen, was sie wollen. Das sagt sie zwar nicht so direkt, aber sie beteuert, dass das Restaurant 5 Vorspeisen und 5 Hauptgänge anbiete. Das Problem sei aber, dass die Taxifahrer alles durcheinander bringen und sie alles auf einem Teller wie nach einer Speisekarte haben wollen. "Das verlangsamt die Essensausgabe und da beklagen sich die Kunden, dass es zu wenig Personal gibt und dass es unmöglich sei, dass der, der den Kaffee macht. auch der Onkel ist, der kassiert" regt sich Montse auf.

Die Zeitung meint, man kann sich über vieles streiten, aber die Klos im Restaurant verschlagen sogar den Reportern den Atem. Sie schreiben: "Es ist unmöglich, Worte für den Gestank zu finden, der aus einer Reihe von Metallbehältern in der Toilette kommt, unter denen ein Flüssigkeitsfilm wabert, von dem man nicht weiß, ob es sich um einen schlecht justierten Wasserbehälter handelt oder Bäche von Urin ohne Abfluss. Einfach unerträglich: In der Folge entscheiden sich viele lieber in einen der Winkel des kleinen Parks zu pinkeln, der das Gelände umgibt. Dort gibt es trotz der Hitze auch keine Fliegen. Sie leben mehr als 3 Wochen, aber sie sind nicht dumm".

Der Sommer schreibt seine Geschichten, auch in Barcelona.

Informationsquelle
La mosca cojonera del taxi - El Periódico