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Spanien muss sich seiner Geschichte stellen, dann kann auch Katalonien seinen Platz finden

Spanien hatte mal einen blutigen Diktator, der als Sieger aus dem Bürgerkrieg (1936-1939) dank der Hilfe von Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien hervorging. Francisco Franco terrorisierte das Land im Verbund mit seinen Generälen und den spanischen Faschisten mit seiner Herrschaft bis zu seinem Tod im Jahre 1975.

"Ursachen für den Ausbruch des Krieges sind in den extremen sozialpolitischen und kulturellen Verwerfungen in der spanischen Gesellschaft sowie in regionalen Autonomiebestrebungen zu finden, etwa im Baskenland und in Katalonien", ist in Wikipedia zu lesen. Vor seinem Tod setzte Franco den König wieder als Staatsoberhaupt ein. Ein König der in den faschistischen Militärakademien ausgebildet wurde. Das Volk wurde zur Wiedereinführung der Monarchie nicht befragt. Spanien gab sich dann eine Verfassung, die im Rahmen der "Transition" keinen radikalen Schnitt mit der Vergangenheit machte. Die Generäle drohten im Hintergrund, jede ihnen nicht passende Entwicklung mit einem Putsch zu beenden. Tatsächlich gab es 1981 nochmals einen Putschversuch, der allerdings dadurch scheiterte, dass König Juan Carlos nicht mitmachen wollte. Mit dem Amnestiegesetz von 1977 wurden die Militärs und Politiker der Franco-Zeit straffrei für alle ihre Taten, seien sie auch noch so schwerwiegend gewesen, straffrei gestellt.

Die Machtstrukturen der Franco-Regimes wurden weitergepflegt, eine Menge von Beamten, die ihre Karriere unter dem Diktator gemacht hatten, saßen weiterhin an wichtigen Schaltstellen der Macht. Die "Guardia Civil", die kasernierte Polizei unter dem Regime, galt auch in der Nach-Franco-Zeit als gewalttätig und ganz den alten Idealen verpflichtet. Oberstes Prinzip, auf das Militär und Guardia Civil fixiert waren, war die Einheit Spaniens im Sinne eines starken Zentralstaates, der von Madrid aus regiert wurde.

Spanien ist geschichtlich gesehen aber kein Zentralstaat. Es gibt die historischen Autonomien Baskenland, Galicien und Katalonien, die eine eigene Geschichte der Unabhängigkeit hatten und sich in ihrer Kultur - vor allem in ihren Sprachen - vom übrigen Spanien unterscheiden. Franco's Hauptanliegen war, jede Unabhängigkeitsbestrebung mit Gewalt zu unterdrücken, so auch diesen Regionen jede Möglichkeit, die eigene Kultur und Sprache zu pflegen, zu untersagen. Der Pesthauch seiner Brutalität ist bis heute zu spüren: Katalanisch oder Baskisch sind bis heute keine Amtssprachen. Der katalanische Bauer muss sich vor Gericht in "castellano" verteidigen.

Eine Nationalstiftung Francisco Franco (Fundación Nacional Francisco Franco (FNFF)) hat sich nach dem Tod des Diktators zur Aufgabe gemacht, das Andenken an den Diktator aufrechtzuerhalten und seine Geschichte schön zu reden. Sie genießt auch heute noch den Schutz und die Förderung durch die konservative Regierung. Der Vorsitzende der  "Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica (ARMH)" (Vereinigung für die Wiederentdeckung der geschichtlichen Erinnerung) schildert die derzeitige Situation:

 Während in Deutschland und Italien es unmöglich ist, dass eine Organisation das Erbe von Hitler oder Mussolini verteidigt, ist das in Spanien immer noch gang und gäbe. Es ist dringend erforderlich, dass wir diesen Zustand ändern. Der Franquismus ist immer noch da. Er steht real und authentisch  da und mit stolz erhobener Brust. Die Franco-Stiftung gibt ständig Erklärungen ab, die gegen das Gesetz des Historischen Erinnerns (Ley de Memoria Histórica) verstösst oder gegen das Verlangen auf Gerechtigkeit von Seiten Opfer und sie leugnen weiterhin die Verbrechen der Diktatur".


Der Blog "Podemos" berichtet über die Auswirkungen der Franco-Diktatur in Katalonien:

Der Franquismus wurde in Katalonien zwischen 1939 und 1975 installiert. Während der Diktatur unterdrückte Franco die katalanische Kultur und das spanische Volk verlor viele seiner demokratischen Freiheiten. Die Diktatur hatte einen totalitären Charakter, was zu einem Verbot der katalanischen Kultur und dem Verbot, katalanisch zu sprechen, führte. Während der 2. Republik erhoben die Katalanen Forderungen für ihre Region. Die Republik verlieh Katalonien 1932 das Recht, sich selbst zu regieren. Dies provozierte die Militärs, die darin eine Einladung zur Unabhängigkeit Kataloniens sahen. Als die Nationalisten an die Macht kamen und Franco die Diktatur einführte, begann eine sehr schwierige Zeit für die Katalanen und die katalanische Unabhängigkeitsbewegung.

Während des Bürgerkrieges gab es viel Hass gegen Katalonien und einen Anti-Katalanismus des Franco-Regime, das Katalonien als eine Region voll mit Verrätern ansah. In Katalonien gab es währen des Bürgerkrieges viele Übergriffe auf Güter der Kirche. Im Januar 1939 rief ein Kanonikus der Kathedrale von Tarragona während einer Messe aus: "Ihr katalanischen Hunde! Ihr seid es nicht würdig, dass die Sonne auf euch scheint". Der Innenminister der Diktatur erklärte, dass der katalanische Nationalismus eine "Krankheit" sei.

Leider hat nach Einführung des demokratischen Übergangs kein Versuch stattgefunden, die Völker Spaniens mit ihrem Staat zu versöhnen. Mit ein Grund war immer die versteckte Drohung der Militärs und des Königs, einzugreifen, wenn die Einheit Spaniens in Gefahr sein sollte. Zwischen 1981 und 1992 wurde Spanien in autonome Regionen (Autonomías) aufgeteilt, in denen diesen das Recht auf eine  Selbstverwaltung zugestanden wurde. Das war schon damals den Nationalisten zuviel, die die Einführung eines Bundesstaates auf kaltem Wege witterten. Die Autonomías boten zwar den Regionen eine schöne Fassade suggerierter Selbstständigkeit, aber die Fäden behielt weiterhin die Regierung in Madrid in der Hand. Das Geld erhalten die Autonomien nämlich von der Zentralregierung zugeteilt. Dass man diesen Hand leicht zudrehen kann, zeigt die neueste Entwicklung in Katalonien.

Die Regierung in Madrid hat bei dem derzeitigen Konflikt um das katalanische Unabhängigkeit-Referendum keine Versuche unternommen, diesem in irgendeiner Form die Schärfe zu nehmen. Bei den Konservativen der Partido Popular, in der sich die Strömungen der Franco-Diktatur gesammelt haben, herrscht immer noch das Motto, dass der Zentralstaat sakrosankt sei. Leider unterstützen die Sozialisten der PSOE diesen Kurs, obwohl gerade auch von ihnen Diskussionen zu einem spanischen Bundesstaat angestossen wurden. Die neue Kraft auf der demokratischen Linken, die Partei "Podemos" mit jungen Menschen und neuen Ideen, unterstützt das Referendum und die Gedanken wie Spanien in Zukunft neu organisiert werden könnte.

Spanien braucht eine neue Verfassung. Bei der steht der Zentralstaat und die Monarchie zur Diskussion. Nur dann ist eine Befriedung im Rahmen auch der Europäischen Union, die ein Rettungsanker in dem Konflikt sein könnte, möglich.

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