Direkt zum Hauptbereich

Gnädige spanische Justiz, 6 Jahre für den Handballer und Freispruch für die Prinzessin

Der “Noos-Skandal” hat jetzt in Spanien seine gerichtliche Aufarbeitung gefunden. Die dem Königshaus angehörende Prinzessin Cristina und ihre Ehemann, der ehemalige Weltklasse-Handballspieler Urdangarin, gehörten zu den prominentesten Angeklagten. Urdangarin, damals mit dem hochtrabenden Titel “Duque de Palma” (Herzog von Palma) versehen, war Präsident der Noos-Stiftung, die zum Zwecke des Absahnens von Subventionen von dem Geschäftsmann Diego Torres gegründet worden war. Die Königstochter war als Vorstandsmitglied tätig und ihr Sekretär, Luis Carlos Revenga, war Schatzmeister der Stiftung. Beim Kassieren von Subventionen ohne entsprechende Gegenleistung war die Stiftung dank der königlichen Beteiligung sehr erfolgreich, was dem Paar auch erlaubte auf großem Fuß zu leben.

Ein Gericht in Palma de Mallorca verkündete somit heute die Urteile im Strafprozess: Urdangarin muss für 6 Jahr ins Gefängnis, seine Frau Cristina wurde freigesprochen. Großzügig wurde ihr vom Gericht geglaubt, dass sie nichts gehört und nichts gesehen hat, was da in dieser Stiftung lief. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass das Gericht es nicht wagte, jemanden aus dem Königshaus ins Gefängnis zu verbannen, denn die Monarchie steht in Spanien ohnehin auf wackligen Füßen. Und viele meinen zu wissen, dass in dem ganzen Skandal noch ein ganz anderer mit drin steckt, nämlich der abgedankte König Juan Carlos.

Der Journalist Juan Carlos Escudier erklärt uns unter dem Titel “Die Prinzessin und die Fliege” auf der Webseite von “Público”, was wir davon zu halten haben:

Die griechischen Weisen hatten es schon klar, dass die Gesetze wie Spinnennetze sind. Sie fangen Fliegen, sind aber machtlos, wenn sie Elefanten jagen wollen. Die Justiz ist gleich für alle Schwachen, aber sie zerschellt an den Mächtigen, obwohl es manchmal so aussieht, wie wenn die Fäden etwas widerstandsfähiger sein könnten. Dies sind optische Illusionen, Fata Morganas, in deren Wüstensand die Mächtigen ihre Fehler schreiben, damit der Wind sie mit einem Stoß auslöscht.
Es wurde über die Prinzessin Cristina, Tochter und Schwester des Könige, und über ihren sportlichen Ehemann ein Prozess geführt, weil sie sich mit Noos bereichert haben, einem Institut mit Gemeinnützigkeit, nur eingerichtet, um die Hürden der öffentlichen Aufträge leicht überspringen und Ausgaben mit falschen Rechnungen belegen zu können. Selbstverständlich hat die Prinzessin davon nichts mitbekommen und deshalb wurde sie freigesprochen, denn Ignoranz wird nur als befreiend angerechnet, wenn man mehr als 10 Nachnamen hat. Sie musste trotzdem für das vom Patriarchen zerbrochene Geschirr büßen, in einem Haus, in dem Straflosigkeit zur Regel gehört und sie musste akzeptieren, aus der leprösen Bourbonen-Monarchie ausgeschlossen zu werden, wie wenn die Gefahr bestünde, dass die Kranke einen Virus überträgt.
Mehr als unschuldig, wovon man ausging, fühlte sie sich als Opfer, eine Rolle, die sie angesichts der Tatsache, dass ihre Leute sie im Stich ließen, von dieser Zarzuela, deren Weisungen sie und ihr Gemahl wörtlich folgten, um sich zu bereichern. Niemand sagte ihnen zum Ausgleich, dass die Zeiten sich geändert haben. Niemand sprach davon, dass das Land die Nase voll hat von soviel Gaunerei und dass sie damit enden würde der Sündenbock für eine Institution zu sein, die weit davon entfernt war sich von der Korruption loszusagen.
Die Prinzessin war die Person, die einem unmöglichen Strafprozess unterzogen wurden, dem der freigebigen Unverletzbaren, weil für sie, obwohl nicht mehr dem Königshaus angehörend, eine Art Straflosigkeit ausgekungelt wurde. Ihr Ausscheiden aus dem Königshaus sollte sie nicht auf eine besonders harte Bank für sie und das Regime selbst verbannen.
Alle diese Bedingungen wurden im Urteil, soweit bekannt, berücksichtigt. Sauber ausgegangen für die bourbonische Beschuldigte, eine enormer Elefant auf dem monarchischen Schrottplatz. Im Netz der Justiz wurde der arme Urdangarin gefangen, schuldig der Aneignung, der Missbrauchs und Betrugs und einiger Delikte mehr, für die er jetzt 6 Jahre und 3 Monate Gefängnis bekommen hat. Alle Fliegen sind vor dem Gesetz gleich, auch wenn eine gewisse Milde mit denen herrscht, die einmal Handball gespielt haben.


Siehe auch
Majestät, Sie sind das Problem!
Der Herzog von Palma, Handballer, Betrüger und königlicher Schwiegersohn
Wollte die Prinzessin freiwillig keine Herzogin mehr sein?
Ein Staatsanwalt, der ein Herz für eine gefallene Prinzessin hat

Informationsquelle
La infanta y el mosquito
Mediana, demócrata y mujer: las tres cruces de Cristina de Borbón

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Tolhaus Madrid oder wie verhindere ich die Wahl eines demokratisch gewählten Politikers zum Präsidenten

Die katalanische Krise geht weiter. Nachdem die Wahlen zum katalanischen Parlament, die von der Zentralregierung in Madrid nach dem Unabhängigkeitsreferendum angeordnet worden waren, für dieselbe mit einem Schuss ins Knie endete und die Parteien, die für die Unabhängigkeit oder zumindest einer Änderung der spanischen Verfassung hinsichtlich der Organisation des Staates eintraten, die überwiegende Mehrheit erhalten hatten und die Partei Partido Popular des Ministerpräsidenten Rajoy nur noch mit einem unter der Fraktionsgrenze liegenden Grüppchen im katalanischen Parlament vertreten ist, hätte man denken können, dass diese Situation vielleicht zur Lösung des Konflikt über Gespräche der Konfliktparteien hätte führen können.

Puigdemont, der katalanische Präsident, der sich seiner Verhaftung entzogen und nach Brüssel abgesetzt hatte, hat auf jeden Fall seine Gesprächbereitschaft zu erkennen gegeben. Aber in Spanien sind die Kräfte des Zentralismus noch viel zu stark, um an eine andere Lösu…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Wer braucht in den USA einen Psychiater? Die Waffenlobby oder kriminelle Täter?

Die Medien berichten: Ein 19-Jähriger schießt am Valentinstag an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben. Schüler berichten von Momenten der Verzweiflung. Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab, schilderten wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten.

US-Präsident Trump betet wie immer, wenn solche "Schicksalsschläge" kommen, und sein Hauptproblem ist der Täter,  von dem er die Opfer tröstend twittert, dass der 19-jährige Schütze offensichtlich „mental gestört“ und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden sei – und wie wichtig es sei, solche Verhaltensauffälligkeiten den Behörden zu melden. Hallo Herr Präsident, gibt's da noch etwas anderes? Warum läuft ein 19-jähriger mit einem halbautomoatischen Gewehr rum? Könnte es sein, dass der von der Waffenlobby geschürte amerikanische Waffenwahn der Grund für die viele…