Direkt zum Hauptbereich

Der spanische König will nur seine eigene Haut retten

Nachdem sich König Felipe VI. in der Katalonienfrage voll auf die Seite des Zentralstaates gestellt hatte und nicht den mindesten Versuch unternommen hat, in diesem Konflikt zu vermitteln, war man doch recht gespannt, was Felipe in seiner Weihnachtsansprache dem Volk nach den katalanischen Wahlen, die wieder eine Mehrheit für die Unabhängigkeitsbefürworter brachte, zu sagen hatte.


Um es vorweg zu nehmen: Nichts von Bedeutung, außer dass die Spanier ganz stolz auf sich sein könnten. Wie man mit nichtssagenden Sprüchen versucht dem Problem aus dem Weg zu gehen, ergibt sich aus folgenden Ausführungen:


Und dieser große Wandel (Spaniens), dieser ganz große Sprung nach vorn wie es ihn bisher in unserer Geschichte nicht gegeben hat, war nur möglich dank eines offenen und solidarischen Spaniens, das sich selbst nicht eingeigelt hat; eine Spanien, das unsere Unterschiede anerkennt und respektiert, unsere Pluralität und unsere Verschiedenheit mit einem integrierenden Geist; ein Spanien, das von einem nicht widerrufbaren Willen zur Eintracht inspieriert wird.

Die derzeitige Regierung angeführt von der konsvervativen Partei Partido Popular hat in den letzten Jahren viel getan, um das Justizsystem in ihrem Sinne umzubauen und entsprechende Parteigänger in die Justiz einzuschleusen. Mit dem "Knebelgesetz" (Ley mordaza) ist es gelungen, die Meinungsfreiheit vor allem bei Sachverhalten, die die "Erhöhung des Terrorismus" betreffen (ein schöner Gummiparagraph, der gegen jede kritische Meinungsäußerung verwendet werden kann), erheblich einzuschränken. Seither wandern Jugendliche, Puppenspieler, Twitterer wegen Äusserungen, die den Regierenden und vor allem einer größtenteils reaktionären Staatsanwaltschaft und Richtern nicht passen, zum Teil für Jahre ins Gefängnis.

Was meint der König zu seinem Rechtsstaat:

Die Prinzipien und Werte unseres Sozialststaates und des demokratischen Rechtsstaates müssen respektiert und erhalten werden und es ist wichtig ein Zusammenleben, das "die Freiheit, Gleichheit, die Justiz und die politische Vielfalt" respektiert zu garantieren. Denn wenn diese Grundprinzipien zerbrechen, wird als erstes das Zusammenlebne sich verschlechtern und danach nicht mehr vorhanden sein.

Genauso redet natürlich auch der Ministerpräsident Rajoy, sieht sich aber genauso wie der König nicht selbst in der Pflicht etwas für diesen Zusammenhalt zu tun. Die Bürger haben sich gefälligst an die dafür zurecht gebastelten Gesetze zu halten, die im übrigen inzwischen der Polizei fast sankrosankte Rechte einräumen.

Und in diesem Sinne wendet sich Felipe Katalonien zu:

Vor ein paar Tagen haben die Bürger von Katalonien gewählt, um ihre Repräsentanten im Parlament zu bestimmen, die jetzt die Probleme lösen müssen, die alle Katalanen betreffen, indem sie die Pluraliät respektieren und an die Verantwortung für das gemeinsame Gut aller denken. Der Weg kann nicht von neuem zur Konfrontation oder zum Ausschluss gehen, da dieser - das wissen wir jetzt - nur Zwietracht erzeugt, Unsicherheit, Mutlosigkeit und zu einer moralische, bürgerliche und natürlich auch wirtschaftliche Verarmung der ganzen Gesellschaft führt.


Wieder wird den Katalanen die alleinige Verantwortung und natürlich auch Schuld zugeschoben. Während deren Repräsentanten immer noch als politische Gefangene für ihre Meinung in innerspanischen Gefängnissen sitzen, übt sich der König aller Spanier in Gemeinplätzen. Dabei wäre es gerade seine Aufgabe, wenn die Monarchie in Spanien noch eine Zukunft haben sollte, dafür zu sorgen, dass die derzeitige Verfassung vom Ballast der Franco-Zeit befreit wird. Schließlich wurde sie erstellt unter den latenten Putschdrohungen der Militärs, für den Fall, dass in dieser Verfassung das zentralistische Spanien, das faschistisch erhöhte Vaterland (patria) in Gefahr geraten sollte. Damals war eine bundesstaatliche Lösung des Landes des Teufels und wäre bei entsprechenden Versuchen, sie einzuführen, sofort mit einem Putsch bedroht worden, vermutlich dann auch mit Unterstützung des Königs. Dazu gehört auch, dass der König eben von Diktators Gnaden ohne das Volk zu befragen, eingesetzt wurde. Den Mut sich selbst einem Referendum zu stellen, hat die spanische Monarchie bisher nicht gehabt.

Deshalb bleibt auch dieser König ein blasse Gestalt mit kaum Rückhalt in der Gesellschaft. Sein Verhalten in wichtigen gesellschaftlichen Fragen ist nur oberflächlich und es kommt ihm nicht in den Sinn, sich mit den Regierenden anzulegen, obwohl diese auf Grund zahlreicher Korruptionsskandale keinerlei Glaubwürdigkeit haben.

Informationsquelle
El discurso íntegro de Felipe VI

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Frankreich ekelt sich vor seinen Schlachthöfen und empört sich über Tierquälerei

Massentierhaltung in Frankreich: 83% der Hühner werden in geschlossenen Ställen aufgezogen, 68% der Hennen und 99% der Kaninchen werden in Käfigen gehalten. 95% der Schweine fristen ihr kurzes Leben in geschlossenen Ställen auf Gitterrosten. Die Tiere werden nur als Handelsware gesehen, man verstümmelt sie (Kastration ohne Betäubung, Abschneiden der Schwänze oder der Schnäbel). Ihre Sterblichkeitsrate ist sehr groß, zum Beispiel sterben 20% der Schweine vor ihrer Schlachtung.

Industrielle Massentierhaltung wie in Deutschland auch. Das Tier wird nicht als Lebewesen gesehen, sondern nur als Handelsprodukt. Während in Deutschland die Konsumenten seit einiger Zeit ins Grübeln geraten sind und sich eine Bewegung gegen Massentierhaltung gebildet hat, hat man in Frankreich, das wir als Schlemmerland kennen, bisher beide Augen zugedrückt beziehungsweise die Verbraucher wollten nicht so genau wissen wie das Fleisch auf ihrem Teller gelandet ist. Zwar hat sich seit einiger Zeit ein…

Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das…

Was kostet das Sterben in Spanien?

In Spanien sind 2011 knapp 400.000 Personen gestorben. Da gibt es für Bestattungsunternehmen zu tun. Der Generaldirektor der Bestattungsdienste “Mémora” hat gegenüber den Medien auf ein paar Zahlen im Zusammenhang mit der Beerdingungspraxis in Spanien verwiesen. Danach kostet die durchschnittliche Bestattung in Spanien 3.700 Euro. In Nordspanien sind die Bestattungen etwas teurer und im Süden etwas billiger. Er führt dies darauf zurück, dass man in Nordspanien auf eine bessere Qualität des Sarges achte und zudem die Überführungen über größere Distanzen erfolgen.

Die Billigversion einer Beerdigung wäre noch für 1.000 Euro zu haben. Aber auch die Spanier wollen es etwas gediegener, das heißt sie beauftragen ein Beerdigungsunternehmen und benutzen eine Aussegnungshalle. Bei internationalen Überführungen kommen in der Regel noch einmal 700 Euro dazu. Die Beerdigungsdienste von Mémora bieten auch eine Finanzierung der Beerdigung an. Dafür gibt es Kredite von bis zu 5.000 Euro, die man in…